He-Man and the Masters of the Universe

Heute soll es mal um etwas Anderes als Spiele und Gaming-News gehen. Da in absehbarer Zeit eine neue Serie auf Netflix erscheint, auf die ich sehr gespannt bin, möchte ich an dieser Stelle eine kurze Meinung zu einem Thema abgeben…

In freudiger Erwartung auf Masters of the Universe: Revelation habe ich angefangen, mir die alte Zeichentrick-Serie der 80er von Filmation anzusehen. Früher konnte ich sie nicht schauen, da wir den Sender nicht empfangen haben, auf dem die Serie lief. Doch trotzdem hatte ich viele Figuren, las die Comics, die bei den Figuren mitgeliefert wurden UND ich habe die Hörspiele von Europa gehört.

Tja, was soll ich sagen? Nach fünf Folgen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Serie, retro hin oder her, absoluter Käse ist. Leider. Warum ist das so?

Die deutsche Synchronisation ist gespickt von Sprechern, die mehrfach eingesetzt werden. Diese geben sich ihrerseits noch nicht mal die Mühe, sich für verschiedene Rollen zu verstellen. So kommt es bereits nach Folge vier dazu, dass man sich fragt: Ist das nicht die Stimme von Teela? Ist das nicht die Stimme von Skeletor?

Darüber hinaus ist die Aussprache zum Teil überdeutlich. Man kann fast jeden Buchstaben hören und Dialekte sowie Akzente sind nur in Extremen vorhanden. Die Satzstruktur und die Wortwahl sind sehr simpel. Auch die Betonungen lassen sich eher mit Amateursprechern vergleichen, als mit professionellen Sprechern.

Trotzdem werden hier Klischees bedient, die vielleicht gar nicht hätten sein müssen. Der König und die Königin von Eternia wirken arrogant / hochnäsig und das auch durch ihre Sprechweise. Die Sorceress / Zauberin von Eternia hat eine ganz seltsame Art, theatralisch sprechen und das ist unabhängig davon, um was es geht. Die Stimme von Orko klingt nach Folge vier so, als würde der Sprecher über ein Funkgerät reden. Ob das auditiv den Schal darstellen soll der aus Versehen aus Metall gefertigt wurde? Man weiß es nicht. Dennoch dürfen auch Sprachfehler bei Fischmenschen (die natürlich böse sind) nicht fehlen.

Die Stories sind auch für 22 Minuten pro Folge sehr, sehr einfach und haben, natürlich, am Ende immer eine Message für den Zuschauer. Doch auch das konnte M.A.S.K. damals schon besser (Gut, die kamen später). Trotzdem passieren Dinge, die sehr schnell und sehr einfach wieder aufgelöst werden. Ich würde ganz kühn behaupten, dass ich schon Serien aus der Zeit gesehen habe, die in dieser kurzen Zeit mehr Inhalt vermitteln konnten. Man bekommt ein bisschen die Vermutung, dass es sich um Reverse-Engineering handelt: Wir haben eine Message am Ende, die wir unbedingt anbringen wollen. Also bauen wir eine Geschichte darum und erzählen sie in zwanzig Minuten.


Die Serie wurde eigentlich verwendet, um das Spielzeug zu vermarkten. Das muss man sich mal vorstellen. Anstatt immer mal wieder die käuflich erwerbbaren Figuren als Zentrum einer Folge zu positionieren, gibt es immer wieder Wesen in einer Folge, die im Eternia-Universum nur einmal auftauchen und von denen man noch nie gehört hat. Das erzeugt zwar irgendwo eine allgemein Breite über das Universum, jedoch gibt es auch Gebiete in Eternia, in denen sich Monster oder Helden aufhalten, zu denen es auch Figuren gibt. Warum erzählt man in den einzelnen Folgen nicht von solchen Orten auf Eternia? So erzeugt man doch auch einen Kaufwunsch, wenn man schon das wirtschaftliche im Kopf hat.


Jetzt kann man sagen: Das ist eine Serie für Kinder und ist entsprechend nicht so anspruchsvoll. Doch wie sieht es denn dann mit den Hörspielen von Europa aus oder mit den Comics, die zur jeweiligen Figur in der Verpackung mitgeliefert wurden, um die Geschichte der Figur zu erklären?

Die Hörspiel-Reihe von Europa ist, meiner Meinung nach, im Vergleich zur Serie viel besser. Die Sprecher sind nicht so hart oft verwendet worden, das Universum wird wesentlich besser beschrieben, pro Folge gibt es immer einen Schwerpunkt, in dem oft mindestens eine Figur von Eternia vorkommt, die man auch kaufen kann. Die Geschichten sind spannend, lustig und zum Teil auch schaurig. Ja, auch Cringer ist ängstlich, aber nicht so unfassbar extrem wie in der Filmation-Serie, wo sich die große Mietzekatze noch nicht mal traut alleine vor dem Zimmer von Prinz Adam zu schlafen und bei einem Schatten Orko in die Arme springt.
Meiner Meinung nach, sind die Sprecher nicht nur besser gewählt, sondern machen ihren Job auch wesentlich professioneller, was Betonung und Emotion angeht. Die Hörspiele vermitteln eine dunklere Welt, wo sich die Wilde Horde oder Skeletors Schergen sowie die Schlangenmenschen aufhalten und erzählen aber gleichzeitig von großen Kämpfen, in denen natürlich das Gute siegt und auch hier werden die Freunde von He-Man mit ihrer eigenen Umgebung oder Geschichte in die Welt eingeführt. Hier sind die immergrünen Wälder noch fabelhaft und trotzdem gefährlich, die Mystic Mountains sind noch mystisch und kein Charakter schmeißt gefühlt einmal pro Minute fünf Euro in die „schlechte-Phrasen-gedrescht“-Kasse, so wie in der Serie, wo ein Spruch den nächsten jagt. Gut, das mag den 80ern geschuldet sein, aber die Hörspiele sind ja quasi zeitgleich erschienen, also warum so und nicht so?


Sollte sich jemand unbedingt nochmal He-Man gönnen wollen, bevor Ende Juli Masters of the Universe: Revelation erscheint, dann empfehle ich ganz klar die Hörspiele. Sie stellen nicht nur das Universum und die Charaktere besser dar, sondern erzählen meiner Meinung nach auch die besseren Geschichten.
Sorry an alle, die die Serie extrem abfeiern. Der Film aus der Zeit ist sogar wesentlich besser. Vielleicht sucht ihr ja nochmal nach der Filmation-Serie und macht euch ein Bild davon, ob es für euch gut gealtert ist oder ob ihr der guten, alten Verklärung zum Opfer gefallen seid 😉 ODER ihr gebt den Hörspielen von Europa eine Chance.

Just my two cents.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.